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Dr Johann Feilacher writes:
Guten Morgen, Herr Primar!³, rief der Zeichner Fritz Koller
laut Prim. DDr. Leo Navratil entgegen und beeilte sich zu
dessen Auto zu gelangen, um die Tasche des Primars in dessen
Büro zu tragen. Eine morgendliche Tradition, die Navratil
die Zuneigung seiner Schützlinge³ zeigte. Das Zentrum für
Kunst-Psychotherapie³ war der Höhepunkt der Entwicklung, die
25 Jahre zuvor begonnen hatte. Ein Haus, in dem er endlich
bessere Bedingungen für seine Schützlinge fand und ihnen ein
besseres Leben³ bieten konnte.
³Im Herbst da reiht der Feenwind...³ hatte
Ernst Herbeck seinem Psychiater Navratil in den sechziger
Jahren des 20. Jh. auf ein postkartengroßes Papier geschrieben.
Die Zuwendung des Arztes zu seinem Patienten, der kaum sprechen
konnte, in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Gugging³
zeigte Navratil die außergewöhnlichen Talente dieses und anderer
seiner Pfleglinge. Unter noch schwierigsten Bedingungen der
damaligen Psychiatrie schuf Navratil Inseln der Kreativität,
der Vertrautheit und der menschlichen Akzeptanz. Er behielt
diese Entdeckungen nicht für sich, sondern publizierte sie,
zeigte in der breiten Öffentlichkeit, was auch von Menschen
mit schweren und chronischen psychischen Problemen geleistet
wurde. Er versuchte in die Materie der Kunst einzudringen
und den Stellenwert der entstandenen Werke zu verifizieren,
indem er sich an Jean Dubuffet, Arnulf Rainer und andere Künstler
wandte. Oft von seinen Kollegen belächelt, auch angefeindet,
stand er zu seinen Künstlern, stellte ihre Werke in Galerien
und später in Museen aus. Erst dann kam die Anerkennung in
eigenen Kreisen. Auch nach seiner Pensionierung 1986 war Navratil
publizistisch tätig und niemals im Ruhestand³. August Walla
und seine Gugginger Methode³ waren wesentliche Themen.
Obwohl ihm die weitere Entwicklung in
Gugging lange störte, kam Navratil letztendlich in den letzten
Jahren wieder zufrieden dorthin zurück. Er übergab seinem
Nachfolger sein Archiv zur weiteren Aufarbeitung. Die Gründung
des Museum Gugging, das in seiner ersten Ausstellung auch
viele Werke der Gugginger Künstler aus der Frühzeit Navratils
präsentiert, brachte dem inzwischen 85-jährigen vielfach geehrten
großen Mann des grenzüberschreitenden Gebietes zwischen Kunst
und Psychiatrie die wohlverdiente Anerkennung durch einen
Applaus während der Eröffnung, der nicht aufhören wollte.
Er konnte noch einmal diese Zustimmung selbst erleben und
sehen, dass das, was er initiierte, nicht nur hier weiterlebt
und erhalten bleibt, sondern einer größeren Öffentlichkeit,
als er je gedacht hatte, permanent präsentiert wird. In den
folgenden Wochen stattete Navratil dem Museum mehrmals private
Besuche ab.
Leo Navratil hat in der Aufbruchstimmung
der Psychiatrie der siebziger Jahre des 20. Jh. wesentlich
zur positiveren sozialen und persönlichen Akzeptanz von Menschen
mit besonderen Bedürfnissen beigetragen und er hat neue Höhepunkte
österreichischer Kunst gefördert und ins r echte Licht gerückt.
Ein Lebenswerk, das nicht hoch genug bewertet werden kann.
Die feierliche Beisetzung findet am Freitag,
den 29. September um 10.00 Uhr am Friedhof Gersthof, 1180
Wien, Möhnergasse 1 statt.
Art / Brut Center Gugging
Museum / Galerie / Atelier / Haus der Künstler
T +43 664 8490695, F +43 2243 87172
Hauptstraße 2, 3400 Maria Gugging, Austria
www.gugging.org
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